Essays (Auswahl)

Macht der Musik, Musik der Macht.  Accentus Music 2019

"Wir kamen eben zu einer Mühle und zu einer Brücke über einen rauschenden Bach, als ich ihm darlegte, die Arien und Choräle der Matthäuspassion [Bachs] drückten eine persönlichere, substantiellere Frömmigkeit aus als der transzendente Stil der Missa Solemnis [Beethovens]. Darauf er: "Jedenfalls ich kann das moderne sentimentale Archaisieren nicht mitmachen. Wenn du so denkst, können wir nicht weiter zusammen wandern“, rief seinen [Hund] Boxl, der uns begleitete, und schickte sich an, einen Seitenweg einzuschlagen."

 

Das potjomkinsche Paradies.  ZEIT 2017

Nach kaiserlichem Willen, nach Weisung des Generalsekretärs sollte man an diesem Ort glücklich sein. Und ich war hier glücklich. Glücklich waren auch meine Eltern, glücklich war ihre Freundin, die sich aus dem Busfenster lehnte und rief: “Ach, der Oleander! und die Luft, die Luft!” Wir fuhren in einem Trolleybus auf der längsten Oberleitungsbus-Linie der Welt, drei Stunden vom Eisenbahnhof in Simferopol zum Meer.

 

Der Internetkrieger. WELT 2017

Ein Ereignis machte Marcel Sardo vor drei Jahren berühmt und bescherte ihm den Ruf eines Putin-Trolls. Es war genau dasselbe Ereignis, das auch mich politisch aufgerüttelt hat.  

 

Die Politinformation. taz 2017

Als ich zum letzten Mal die Öffentlichkeit bewusst belogen habe, war ich 19 Jahre alt und stand kurz vor dem Rausschmiss aus meiner Moskauer Hochschule.

 

Populismus ist Lüge.  NZZ 2017

Populismus ist ein sinnloser Begriff, wenn man so die Politik nennt, die dem Willen des «populus» folgt. Denn dieses «Volk» existiert höchstens in den Parteinamen der Populisten. 

 

Krise der Wahrheit.  NZZ 2016

Das ist der postmoderne Pop - Tatsachen nicht von Lügen unterscheiden zu wollen. 

 

Die militanten Untertanen. Die Welt 2015

Die Flüchtlingskrise sollte die Krise der besorgten Bürger heißen. 

 

Mein Feind, die Revolution. ZEIT 2015

Es gibt viele Gründe, eine Revolution abzulehnen. Man kann zu konservativ, zu bodenständig oder einfach zu alt dafür sein. Was ich mir aber bisher nicht vorstellen konnte, ist, dass man zu links für eine Revolution sein kann. 

 

Kadaver auf Urlaub.  NZZ 2015

Die Emigration holte mich ein, ohne dass ich einen Fuß vor die Tür gesetzt hätte. Sie kam über mich in Gestalt einer Frau mit grünem Lidschatten, einer langen Zigarette in der Hand und gerümpfter Nase. Das sollte ich sein, der «Emigrant Schumatsky»

 

Russland ist eine Lüge.  DIE ZEIT 2014

Die wohl größte Schwierigkeit im Umgang mit Russland ist dies: Russland lügt. 

Russia is a lie

 

Tod in Moskau.  FAZ 2014

Anfang dieses Jahres, zwei Monate nach dem Tod meines Vaters, schoss sich in Moskau ein pensionierter Admiral in den Kopf. Wie mein Vater war er krebskrank.  

 

Die kleinen Diebe des grossen Sieges.  NZZ 2014
1974 starb ein Mann, der wohl mehr Menschen in den Tod geschickt hat als jeder andere Russe im Jahrhundert des massenhaften Tötens.  

 

Die Russen gibt es nicht.  ZEIT ONLINE 2014

Schon einmal war ich Berufsrusse. In den Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als ich nach Deutschland kam, richtete ich mich recht gemütlich in einer Nische auf dem Medienmarkt ein. Ich war die junge, authentische russische Stimme, die die alten Klischees über ihr Land widerlegte. Es ist Wladimir Putin zu verdanken, dass ich wieder in meine alten, aus der Mode gekommenen Schuhe schlüpfen muss.

 

Präsidentenkino, 1937 und 2007.  NZZ 5.05.2008
Die folgende Geschichte, in der zwei Film-Vorvisionierungen im Stil der Montage parallel erzählt werden, wirft ein Licht auf die neuen alten Machtverhältnisse im Kreml. 

 

 

Die Vertikale der Macht.  NZZ 3.05.2004

 

 

Am Ende der Aufklärung? Russlands Kultur und der neue Autoritarismus.  NZZ 11.02.2004

 

 

Bruder Putin.  Süddeutsche Zeitung 25.03.2000

 

 

Mit Jeanne d'Arc nach Grosny.  taz 17.3.1995

 

 

Der Schriftsteller Stefan Heym und die Macht.  taz 08.11.1994

 

Seele und Balalaika Von der seltsamen Anhänglichkeit Boris Pasternaks an Stalins Rußland.  taz 19.09.1994

 

Alexander Solschenizyn. Der grosse Schriftsteller kehrt zurück.  Weltwoche 1994

 

Gorbatschows Happening Oder: Requiem für die Sowjetunion.  taz 8.01.1992

 

Bilder eines Endes.  taz 31.08.1991

Der Staatsstreich in der Sowjetunion, das letzte Kunstwerk des Sozialistischen Realismus

 

Sots-Art gegn Soz-Real Soziale Konzeptkunst in der Sowjetunion.  taz 01.06.1991

 

Published on  October 7th, 2021