Kommentar zu »Evakuiert«

Skyline

Hamburger Institut für Sozialforschung Spiegel.de

Bevor Menschen erschossen wurden, mussten sie sich ausziehen, sie ließen ihre Kleidung, Schuhe, Handtaschen, Angehörigenfotos und Notizbücher auf den Boden fallen lassen. Ein Propagandafotograf arrangiert das alles für eine Nahaufnahme. Die Fotos von Lebenspartnern oder Kindern, die mit dem Gesicht nach unten in den Sand gefallen sind, wendet er wieder um. Das Kind auf einem der Bilder scheint einen Matrosenanzug zu tragen. Was der "Bildberichter" der Propagandakompanie 637 mit diesen Bildern genau vorhatte, ist unklar, jedenfalls stellte er sie seiner Leitung nicht zur Verfügung. Massaker durften nicht dokumentiert werden, und nur Amateurfotografen machten ohne Erlaubnis Bilder von Hinrichtungen. Offenbar herrschte damals eine große Nachfrage nach solchen Bildern, Wehrmachtssoldaten bewahrten sie in ihren Brieftaschen auf neben den eigenen Hochzeits- oder Kinderfotos.

 


Nora

Hier veröffentliche ich Bilder aus unserem Familienalbum als eine Art Kommentar zu meinem Text. Bilder, die beim Lesen entstehen, haben trotzdem Vorrang, auch das Bild vom Erzähler. Mein Vater hieß Boris, wie ich, beziehungsweise ich heiße wie er, was kein Zufall ist.

 


Für Nora, danke für Borja. Lasar

 

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Published on  January 4th, 2022